shopstyle Pop-up-Stores Im Retailbereich zeichnet sich ein neuer Trend ab: Mit Pop-up-Stores versuchen findige Händler auf die Schnelllebigkeit und das sich radikal ändernde Kaufverhalten zu reagieren. Doch was steckt hinter diesem Begriff, was können diese neuen Shops und welche Chancen ergeben sich daraus für den heimischen Einzelhandel? Diese Fragen stellte shopstyle Frau Mag. Hania Bomba-Wilhelmi, der Geschäftsführerin von Regioplan, einem Unternehmen, das seit mehr als fünfundzwanzig Jahren den europäischen Handel beobachtet, analysiert und berät. Welche Entwicklungen erwarten den Einzelhandel 24 in Österreich? Wir sind Spezialisten für den Handel und für die richtige Planung und Optimierung von Handelsstandorten. Die Umsatzsteigerungen der Händler und eine allgemein positive Entwicklung des Marktes liegen uns am Herzen. Ganz allgemein kann man sagen, dass unsere Welt immer schneller wird. Sämtliche technischen Entwicklungen beschleunigen unser Leben, sei es die SMS an Stelle der Postkutsche oder das Internet an Stelle des gedruckten Buches. Im Moment beobachten wir außerdem zwei riesige Kräfte, die sich auf den Einzelhandel auswirken: Erstens: Konsumenten haben schon alles. Und zweitens: Kunden kaufen online. Hier muss der Handel reagieren, wenn er überleben will. Wie beurteilen Sie die Konkurrenz mit Online- Shops für den stationären Handel? Der Onlinehandel ist keine Konkurrenz. Er ist eine Chance! Der Handel muss auf neue Vertriebswege reagieren und diese aufgreifen. Die neuen Möglichkeiten, die uns die technischen Errungenschaften bieten, verändern auch die Erwartungshaltung der Konsumenten. Das Konsumverhalten ändert sich dramatisch. Und das in rasantem Tempo. Man kann diese Situation mit einem Tornado vergleichen, der hier auf uns zurast. Manchmal hat man das Gefühl, dass unsere Einzelhändler ganz ruhig am Strand sitzen und den Tornado beobachten, aber nicht bereit sind, ihre bequemen Liegen zu verlassen, weil sie ja für die Liegen bezahlt haben... Welche Chancen bieten hier Pop-up-Stores? Pop-up-Stores sind eine Möglichkeit auf die Schnelllebigkeit des Handels und das veränderte Kaufverhalten zu reagieren. Hier kann man coole Marken für einen begrenzten Zeitraum spannend in Szene setzen. Pop-up-Stores gelten als cool. Hier einzukaufen ist angesagt. Und die Marken, die hier vertreten sind, sind im stationären Handel vielleicht nicht so leicht zu finden. Pop-up-Stores locken mit einem ständig wechselnden Sortiment, bieten immer wieder Neues und können so auch wechselhafte Zielgruppen langfristig binden. Seit wann gibt es eigentlich Pop-up-Stores? Echte Pop-up-Stores beobachten wir in Österreich erst seit etwa anderthalb Jahren. Natürlich gab es auch vorher schon temporäre Zwischennutzungen für leerstehende Verkaufsflächen. Aber das sind, meiner Meinung nach, keine Pop-up-Stores im eigentlichen Sinn. Solche halbherzigen Pop-up-Verschnitte funktionieren auch selten. Was braucht ein Pop-up-Store, um zu funktionieren? Hinter einem erfolgreichen Pop-up-Store steht meist ein sehr genau ausgearbeitetes Konzept. Der Auftritt muss in sich stimmig sein, als Marke erfahrbar werden und innerhalb kürzester Zeit hohen Bekanntheitsgrad erreichen. Plattformen wie Facebook & Co. sind hier ebenso sinnvoll wie Standorte, die nicht nur als Zwischennutzung mit beliebigen Waren gefüllt werden, sondern die dem Konsumenten die Sicherheit geben, hier für einen jeweils begrenzten Zeitraum, ganz besondere Produkte zu finden. Welche Entwicklungen sind in Bezug auf Pop-up-Stores zu erwarten? Der Trend ist noch sehr jung und kann genauso gut ein „Pop-up-Trend“ mit sehr kurzer Lebensdauer sein. Er hat aber auch das Potenzial zu einem langfristigen Bestandteil unserer Retaillandschaft zu werden. Als Verkaufsflächen, die sich als Pop-up-Stores etablieren können, eignen sich nicht nur Straßenlagen, sondern auch einzelne Stockwerke größerer Kaufhäuser oder schwer vermietbare Flächen in Einkaufszentren. Hier könnten die Betreiber der jeweiligen Liegenschaft Ladenkonzepte in Auftrag geben, die sich rasch und einfach dem Storekonzept der wechselnden Mieter anpassen lassen. Auf der anderen Seite ist es auch durchaus denkbar, dass international agierende Labels ein eigenes Pop-up-Interieur entwickeln, das sie dann an wechselnden Standorten für einen begrenzen Zeitraum auf- und wieder abbauen. Wie gesagt steckt in diesem Trend noch viel Potenzial. Vielen Dank für das Gespräch! www.regioplan.eu Pop-up-Stores im Trend Mag. H ania Bomba Wilhelmi
shopstyle Ausgabe 5/2013
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